"Wo warst Du all die Jahre?" "In der Agentur."

 

Tja. So war das. Ich war in der Agentur. Tag und Nacht,

am Wochenende, immer.

 

Dann - dann war ich im Geschäft. In meinem Geschäft,

einem Schuhgeschäft, mit Versandhandel inklusive,

europaweit. Mit einem Exportanteil von 95%.

Tag und Nacht, am Wochenende, immer.

 

Später war ich am Acker oder im Gewächshaus,

im Erdäpfelkeller oder im Ab-Hof-Verkauf.

 

Und jetzt bin ich wieder in der Agentur. In meiner Agentur.

 

 

 Aber - zurück zum Start:

 

Irgendwann bin ich ja auch zur Welt gekommen, und da war es nicht so hektisch. Zumindest nicht für mich. Mehr für meine Mama.

Sie hatte im Jahr 1967 noch kein fließendes Wasser

im Haus. Und keine Waschmaschine. Und keine Wegwerfwindeln.

 

Ich find's nicht lustig, dass eine 18-jährige Mama zum Brunnen um Wasser gehen muss, Wasser im großen Kessel aufkochen und dann die Windeln auskochen

und mit der Waschrumpel waschen muss.

 

Ich hätte das nicht gepackt.

 

 

Ein umtriebiges Leben.

 

Als ich dann 3 Jahre alt war, war ich schon gut unterwegs.

Ich bin zeitig in der Früh aufgewacht, hab mich selbst angezogen

und mich gleich auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht.

 

Nicht zuhause. Nein. Bei unseren Nachbarinnen.

 

Die betagten Damen vis à vis von unserem Haus, auf der anderen Seite vom Bach, haben sich gefreut, wenn ich in der Früh angerannt kam.

Ich bekam massenweise Kipferl und Kakao.

 

Das hat man mir dann auch angesehen.

 

 

Die Schule.

 

Die Schule - die überspringen wir. Oder doch nicht.

Die Volksschule war schon toll - da gab es nur 1-er im Zeugnis.

 

Die anderen Kinder waren größtenteils nicht so nett zu mir,

weil sie meinten, meine roten Haare wären ganz furchtbar.

Aber  - naja. Gott sieht alles - und er richtet auch.

 

Gymnasium, Studium und Arbeit.

 

Das Gymnasium war schon schwieriger. Aber - ich hab's geschafft. Brav maturiert, und dann ging's nach Wien, an die Universität. Ich hab' studiert und gearbeitet. Mathematik und nordische Philologie. Meine Hauptsprache war Dänisch. Meinen Lebensunterhalt habe ich - bis auf die Kinderbeihilfe - selbst finanziert. Ich habe bei McDonalds gearbeitet, habe Mathematik-Nachhilfe und Klavierstunden gegeben und auf selbständiger Basis beim Bazar (damals noch sehr jung) die Inserate vom Band in den Computer getippt. Ich war die schnellste. Und - nachdem wir nach Anschlägen bezahlt wurden - hab ich - gemessen am Stundensatz - am meisten verdient. Hurra!

 

 

 Mein Kopenhagen.

 

Für meinen ersten Studienaufenthalt in Dänemark hatte

ich 12.000 Schilling zur Verfügung. Für 3 Monate. Nach

3 Wochen wußte ich: das würde nicht reichen. Ich hab (damals noch aus einer Telephonzelle auf dem Postamt) meine Mama angerufen, damit sie mir meine Querflöte, meine Noten und eine warme Jacke schickt.

 

Schon stand ich auf der Straße - als Straßenmusikantin.

60 Kronen in der Stunde hab ich verdient. Das war nicht schlecht. Umgerechnet waren das damals - im Jahr 1986 - ca. 110 Schilling / Stunde. Da hieß es spielen, spielen, spielen - wenn das Wetter mitspielte.


Zumindest konnte ich mir mein Nachquartier und etwas zu essen leisten. Viel war nicht drin, aber - ich hab bis zum Schluss durchgehalten - und - im nächsten Jahr wieder gemacht.

 

 

Die Arbeit hat mich voll im Griff.

 

Geld verdienen ist toll, und studieren ist wichtig. Beides unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht, aber möglich.

Neben meiner Arbeit habe ich Rechtswissenschaften studiert und

den Lehrgang für Markt- und Meinungsforschung absolviert.

 

Mein beruflicher Weg führte mich in Verlage und Werbe-Agenturen wie:

 

Y&R (Young & Rubicam) Werbeagentur

 

Cash Flow (Wirtschaftsmagazin - nach langer Pause jetzt wieder am Markt)

 

Lintas Werbeagentur / Intiatiative Media Agentur: meine ersten grossen Kunden waren Konsum und KGM, gefolgt von Unilever.

 

Demner, Merlicek & Bergmann Mediaagentur: hier habe war ich für Media-Einkauf und -Planung und später für die Medienforschung zuständig.

 

Demner, Merlicek & Bergmann Werbeagentur: hier habe ich die Servicestelle für Markt- und Meinungsforschung aufgebaut und geleitet und habe Kunden wie zum Beispiel XXXLutz, Möbelix, Mömax, Mediamarkt, Saturn, Wifi, Darbo, Agrana (Zucker), Rauch Fruchtsäfte, Meinl am Graben, Meinl Kaffee, Österreichische Nationalbank, ÖBB, OMV und Mazda betreut.

 

 

Mein Schuhgeschäft.

 

Im Jahr 2003 habe ich mein Schuhgeschäft "Sandali" eröffnet. Mein kleines Geschäft lag sehr zentral in Wien, im 7. Bezirk, in der Kirchengasse 24; das ist eine Seitengasse der Mariahilferstrasse (Ecke Gerngross).

 

Dieser Schuh, ja der da, das war einer meiner Topseller.

 

2005 kam der Versandhandel dazu, der sehr gut gelaufen ist. So habe ich Ende 2008 beschlossen, nur noch den Versandhandel zu betreiben, und zurück in meine Heimatgemeinde Hohenau zu übersiedeln, mit rund 3.000 Paar Schuhen "im Gepäck".

 

Ein Horrorumzug, aber - geschafft - und: nie mehr wieder.

 

 

 

Mein Versandhandel.

 

Den Versandhandel gibt es noch.

Und - ich werde ihn demnächste noch etwas erweitern, dann gibt es auch Geldbörsen und Accessoires, Schneekugeln (die echten), nostalgische Adventkalender (inkl. Nachdrucke) und Holzdekoration (von edel bis lustig, individuell kombinierbar).

Meinen Webshop finden Sie unter www.sandali.at

 Wie war das am Anfang?

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Aja. So war das. Ich war in der Agentur.

Tag und Nacht, am Wochenende, immer.

Dann - dann war ich im Geschäft.

In meinem Geschäft.

Tag und Nacht, am Wochenende, immer.

 

Dann war ich am Acker oder im Gewächshaus, im Erdäpfelkeller oder im Ab-Hof-Verkauf.

 

Und jetzt (endlich) mache ich all die Dinge, die mir Freude bereiten: mein Schuhversand, die Bio-Birgit-Serviceseite und meine kleine Agentur Creatrix. Aber nur noch am Tag.

 

In der Nacht - ja da - da bin ich beim Herbert, also beim Bio-Herbert.

Ja, ja, es gibt es noch. Das Happy End.